Also ich fand's grandios, das sampling von Krankenwagensirenen und Kammerton "a" singendem Publikum...genial eben!
Sampling-Genie, rastloser Sound-Entdecker, DJ, gefragter Produzent und Remixer - der Engländer
Matthew Herbert ist ein musikalisches Allround-Talent.
Unter seinem richtigen Namen, sowie als Radioboy oder Doctor Rockit setzt er seine vielfältigen Interessen um, von jazzigem Elektro und Techno bis hin zu House und Pop. Bisher produzierte und remixte er unter anderem Björk, John Cale, Serge Gainsbourg, REM, Yoko Ono und im letzten Jahr das großartige Solodebüt "Ruby Blue" von Roisin Murphy - Sängerin der Band Moloko. Die Anfrageliste für neue Aufträge ist dementsprechend lang.
Der Klang-Avantgardist vereint das Gespür für verspielte und tanzbare Songs mit einer genauen Vorstellung von der Erzeugung seiner unverwechselbaren Soundcollagen. In einem veröffentlichten Manifest formulierte er eigene Kompositionsregeln. Er verbietet jegliche Verwendung von aufgenommenen musikalischen Quellen und von synthetischen Klängen, die Akustikinstrumente imitieren.
Sein Bühnendebüt hatte Herbert, der jahrelang klassisches Klavier und Violine lernte, im Jahr 1995. Die damaligen Instrumente: ein Sampler und eine Packung Crisps. Doch das war nur der Anfang. Sein Meisterwerk "Around the House" von 1998 vereinte Klänge aus Haus und Heim: Waschmaschinen, Toaster und Zahnbürsten wurden gesampelt und in swingende Grooves verwandelt. Die Sängerin Dani Siciliano gab dem Album mit ihrer zarten Stimme organische Substanz. "Bodily Functions" von 2001 war das hörbare Resultat von Herberts Kompositionstheorie - menschliche Haut, Haare, Knochen und wahllose Gegenstände demonstrierten die Möglichkeiten der Klangproduktion.
Ein wenig gelangweilt von der stagnierenden elektronischen Musikszene nahm Herbert dann zwei Jahre später mit "Goodbye Swingtime" eine Bigband-Platte auf und gab mit einem kleinen Orchester erlesene Konzerte.
Mit "Plat du Jour" veröffentlichte Herbert 2004 sein bisher politischstes Album. Sämtliche Geräusche stammen von Lebensmitteln und ihren Verpackungen. Matthew Herberts gewitzte kulinarische Klangmetaphern attackieren große Lebensmittelfirmen und kritisieren genauso die Todesstrafe, Umweltverschmutzung und den Irakkrieg.
Das erst kürzlich erschiene Album "Scale" ist wahrscheinlich sein bisher zugänglichstes Werk. Doch auch unter der glänzenden Oberfläche von Jazz, Disco und sinnlichen House-Rhythmen liegen besorgte Reflektionen über Sterblichkeit, globales Leid und das Ende des Ölzeitalters. Unter den 723 gesampelten Objekten befinden sich Särge, Tanksäulen und Meteoriten. Wie kein anderes Album zuvor vereint "Scale" eingängige und tanzbare Tracks mit subversiven Themen.
Matthew Herbert geht es nicht nur um L'art pour l'art, sondern vor allem um einen Dialog seiner experimentellen Musik mit dem Rest der Welt.
Besetzung:
Matthew Herbert - Live-Elektronik
Neil Thomas - Gitarre
Dave Okumu - Gitarre
Leo Taylor - Schlagzeug
Phil Parnell - Keyboard
Peter Wraight - Trompete
Ben Castle - Saxophon
Valerie Etienne - Gesang